oft schaut man viel und sieht nichts....


Der Vatikan.......klein und doch so groß sowie imposant! Besonders mit den markanten Punkten wie der Petersdom und der gleichnamige Platz davor. Doch was der Vatikan im Detail vorzuzeigen hat, dass kann man in einem Male gar nicht erfassen! Obwohl es einer meiner Lieblings-Orte ist, habe ich vielleicht 40% dessen bewusst gesehen und registriert von dem, was hinter und zwischen den Gemäuern zu finden ist.

 

Buch: 55 1/2 Orte im Vatikan die man gesehen haben muss

Autor: Annett Klingner / ISBN: 978-3-95451-699-5

 

In diesem Buch konnte ich sehr viele "kleine" Dinge über den Vatikan erfahren, die ich entweder nicht gewusst habe oder die Hintergründe nicht kannte bzw. nicht bewusst gesehen habe.

 

Nachfolgend werde ich einige Berichte aus diesem Buch zitieren bzw. meine Erfahrungen wiedergeben.


Warum der Petersdom "falsch" herum steht..?!

 

Die Basilica di San Pietro, das größte, prächtigste und berühmteste Gotteshaus sowie das wichtigste des Christentums - erbaut von den größten Künstlern der Kunstgeschichte: Bramante, Raffael, Michelangelo, Maderno, Bernini und einige andere.....Es ist das Zentrum der katholischen Kirche, dass aus allen Ecken der Welt Millionen von Menschen nach Rom zieht.

UND AUSGERECHNET DIESE KIRCHE STEHT FALSCH HERUM!!!!

Was ist denn da passiert?

In fast allen Kulturen war die Gebetshaltung nach Osten zur aufgehenden Sonne üblich. Auch die Christen haben diese Richtung als Gebetshaltung für sich entdeckt. Aus verschiedenen Texten aus der Bibel ist z.B. zu lesen, dass auch das Weltengericht, die Wiederkunft Christi mit dem Paradies ebenso aus dem Osten erwartet wurde, wie es symbolisch ausgedrückt wurde: "denn wie der Blitz vom Osten zum Western hin leuchtet, so wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein

Als die Christen im 4. Jahrhundert anfingen, Gotteshäuser zu errichten, wurde diese Orientierung Richtung Sonne übernommen. Doch wer sich nun mal die Lage des Petersdoms anschaut wird feststellen, dass dieser nicht "geostet" ist, sondern man in Richtung Westen glotzt, also in Richtung Sonnenuntergang. Ups...? Hat da jemand "gepennt?"

Bekanntlich ist auf der Anhöhe Mons Vaticanus Apostel Petrus beerdigt. Bereits im 1. Jahrhundert errichtete Papst Anaklet an dieser Stelle eine Gedenkstätte, deren Front sich zur Stadt am Tiber untern, also nach Osten ausrichtete. Somit konnten die Menschen vom Zentrum aus auf die Fassade werfen.

Kaiser Konstantin war der erste, der anstelle der Gedenkstätte im 4. Jahrhundert eine große fünfschiffige Basilica bauen ließ, die sich ebenfalls zur Stadt hin öffnete.

Das machte auch aus städtebaulicher Ausrichtung einen Sinn, denn der Zugang vom Stadtzentrum zum Hügel Vaticanus verlief über den Tiber, und da wollte man doch nicht auf die Rückfront einer Kirchen schauen....


Gedenktafel des Papst - Attentats

 

Am 13. Mai 1981 passierte das unfassbare auf dem Petersplatz. Die Audienz von Papst Johannes Paul II. ( Karl Wojtyla) war in vollem Gange, gerade genoss er wie immer das Bad in Menge, wurde umjubelt, als sich plötzlich ein schmächtiger junger Mann an das weiße Papa-Mobil drängt. 3 Schüsse fallen, der Papst geht schwer verletzt nieder und wird sofort sofort in die Gemelli-Klinik gebracht. Erst nach 4 Tagen konnte man "aufatmen", dass der Papst überleben wird.

Der Attentäter wird sofort gefasst. Das Motiv des türkischen Rechtsextremisten Mehmet Ali Agca ist bis heute unbekannt. Johannes Paul II. vergab dem Attentäter öffentlich und besuchte diesen Ende 1983 im Gefängnis.

Die Stelle, an der die Schüsse fielen, ist durch eine Marmortafel im Pflaster markiert.

Diese findet Ihr an der rechten Seite nahe der Kolonnaden wenn man auf dem Weg zum Eingang des Petersdom ist. Durch die ständigen Absperrungen ist es nicht so leicht, diese zu finden. Auch ich musste intensiv auf die Suche gehen - aber mit Erfolg. :)

Anmerkung: auf dem trapezförmigen Gebäude rechts des Petersdoms, dessen Schmalseite zum Platz zeigt, ließ Johannes Paul II. zum Dank für den glimpflichen Ausgang ein Mosaik der Mutter Gottes anbringen!


Der Fuß des Petrus - Reiz der Berührung

 

Tausende Besucher strömen täglich in den Petersdom direkt vom Eingang aus schnurstracks zu einer Bronzefigur rechts vom Hauptaltar. Hier sitzt ein Mann mit gelocktem Haar, der mit seiner linken Hand einen großen Schlüssel umklammert und die Rechte zum Segensgruß erhebt. Pilger und Touristen stehen geduldig an, um ihren rechten Fuß zu berühren und - das ist fast noch wichtigere - sich dabei fotografieren zu lassen. Viele wissen vermutlich gar nicht, warum das Anfassen Glück bringen soll. Aber dass dies zahllose Menschen seit vielen Jahrhunderten annehmen, ist dem Fuß deutlich anzusehen. Er ist durch das viele Berühren, reiben und Küssen schon ganz deformiert.

Die Skulptur wurde um 1300 geschaffen und zeigt den Apostelfürsten Petrus auf einem Thron - der übrigens mindestens 200 Jahre später als die Statue entstand. Der Sockel wurde sogar erst vor 250 Jahren hinzugefügt. Bis Johannes XXIII. den Brauch abschaffte, war es üblich, dem Papst bei einer Audienz den Fuß zu küssen. Damit signalisierte man, dass man ihn als irdischen Stellvertreter Christi anerkannte. Auch der Petrus-Statue wurde in dieser Form gehuldigt.


Das höchste Klo - für alle Bedürfnisse

 

Der Entschluss ist gefasst: auf geht's die 551 Stufen zur Kuppel um eine atemberaubende Aussicht zu genießen. Den ersten Teil gönne ich mir mit dem Aufzug zu fahren. Auf der Dachterrasse des Domes erwartet mich einiges an Annehmlichkeiten, die ich hier oben nicht erwartet hätte. Zum einen kann ich meine Wasserflasche wieder füllen - Trinkbrunnen stehen sogar hier bereit. Noch mal schnell ein "Angst-Bach" (Saarländische Redensart) machen? Auch kein Problem! Hier gibt es die höchste Toilette des Vatikans neben einer Cafeteria sowie einem Souvenir-Shop! Für den weiteren Weg nach oben ist also alles gerichtet :)

Weiter geht's die restlichen Stufen, die mich die schräge und enge Kuppel hinauf führen. Immer schön durchatmen und zwischendurch auch mal eine kleine Pause einlegen. Der Weg nach oben ist schon etwas anstrengend - doch im Ergebnis lohnt es sich allemal!

Der Eingang zur Kuppel befindet sich rechts vom Eingang des Petersdoms und ist ausgeschildert.


Die heiligen Mauern - Grenzverlauf des Vatikanstaates

 

Bei meinem letzten Besuch im August 2016 wohnte ich im Hotel Vatican Suites & Residence direkt hinter dem Vatikan mit Blick auf die Vatikanischen Mauern (links imBild) und den Petersdom (rechts im Bild). Würde ich den Vatikan umrunden wollen, so wäre ich in ca. 40 Minuten wieder an meinem Ausgangspunkt. Der Grenzverlauf des Vatikan könnte unterschiedlicher nicht sein. Wenn zu den Generalaudienzen, Angelusgebeten oder anderen kirchlichen Ereignissen die Menschen auf den Petersplatz strömen, hat der Vatikan gerne mal auf einen Schlag 100.000 Touristen. Ohne dass diese überhaupt wissen, dass sie eine Staatsgrenze überqueren. Denn kaum jemand bemerkt das Travertin-Band, das sich auf dem Boden zwischen den Kolonnaden entlangschlängelt und den Übergang zwischen italienischem und vatikanischem Gebiet markiert. Hier und auch an den vatikanischen Museen gibt es weder Passkontrollen, noch Zoll oder Grenzschilder. Ansonsten haben die Schweizer Gardisten das Sagen! Wer diesen keinen triftigen Grund nennen kann, bleibt draußen. Selbst Geistliche müssen sich ausweisen.

Den Mini-Staat umgibt eine wuchtige, dreieinhalb Kilometer lange Mauer, die an ihrer höchsten Stelle fast 20 Meter hoch ist.


Die Uhr für den Teufel - Die verrückten Zeitmesser vom Petersplatz

 

Solange präzise mechanische Uhren in Rom fehlten, orientierten sich die Menschen am Läuten der Kirchenglocken und diese wiederum an Sonnenuhren. Auch auf dem Petersplatz wurde 1817 eine angelegt, die heute nicht mehr funktioniert.

Der Petersplatz beherbergt außerdem drei weitere öffentliche Uhren. Eine befindet sich am Apostolischen Palast und zwei in der Fassade des Petersdoms. Letztere wurde 1785 von G. Valadier entworfen und angefertigt - und stellen aufmerksame Besucher vor ein Rätsel. Denn im Gegensatz zum linken Zeitmesser (Oltremontano genannt) zeigt der rechte Zeitmesser eine falsche Uhrzeit an.

Dies habe ich zwar ebenfalls bemerkt, habe mir aber keine großen Gedanken darum gemacht. Nun kenne ich den Hintergrund aufgrund des Berichtes aus dem Buch:

Dem römischen Volksglauben nach soll damit der Teufel  verwirrt werden, so dass er die Gläubigen nicht beim Gebet heimsuchen kann. Tatsächlich handelt es sich um eine italienische Uhr. Sie hat nur einen Zeiger und unterteilt die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in gleichmäßige Stunden!